Ausgwandert - danach wieder neuen Wohnsitz in Deutschland anmelden

  • Hallo zusammen,


    kurz zu meiner Situation:


    - März 22 ausgewandert in die Schweiz und Wohnsitz in DE abgemeldet

    - Arbeit in Liechtenstein

    - Aufenthaltsbewilligung B

    - Immobilienbesitz in DE mit Mieteinnahmen sowie Schulden


    Vorhaben:

    - WG Zimmer in Deutschland mieten (350km entfernt), für gelegentliche Wochenendbesuche


    Fragen:

    - Kann es Probleme zwecks Steuern geben, also dass ich mein Einkommen in Deutschland versteuern muss?

    So wie ich das verstanden habe, nur wenn das Zimmer zu nah ist und / oder ich verheiratet bin und / oder Kinder beim DE Wohnsitz wären (was nicht zutrifft).

    Einzig der Steuersatz für die Mieteinnahmen erhöht sich.


    Ist das richtig?


    Vielen Dank für die Antworten im voraus!


    Liebe Grüße

    Hannah

  • Ufff, schwierige Frage, die vermutlich nur ein Steuerberater richtig beantworten kann. Ich vermute, dass es normalerweise keine Probleme geben sollte. Aber da Deutschland momentan versucht jeden Cent zu kriegen, kann ich mir genauso vorstellen, dass ein "findiger" Steuerbeamter versucht Dir einen Strick daraus zu drehen...

  • Ufff, schwierige Frage, die vermutlich nur ein Steuerberater richtig beantworten kann. Ich vermute, dass es normalerweise keine Probleme geben sollte. Aber da Deutschland momentan versucht jeden Cent zu kriegen, kann ich mir genauso vorstellen, dass ein "findiger" Steuerbeamter versucht Dir einen Strick daraus zu drehen...

    Aber was sicher ist, dass ich auf Mieteinnahmen mehr Steuern zahlen muss, ist das richtig?


    Also wenn ich 7000€ Mieteinnahmen habe, zahle ich nicht den Steuersatz für 7k, sondern den Steuersatz für das Gehalt in Liechtenstein + 7000€ Mieteinnahmen, ist das richtig? Termin wird mit Steuerberater ausgemacht, dauert aber noch auf übernächste Woche :smiling_face:

  • In keinem Fall zahlst Du den Steuersatz für 7k.


    Bei Ansässigkeit in der Schweiz bist Du in D beschränkt steuerpflichtig. Da zahlst Du dann den Satz von 7.000 + 9.745 € also:



    Ein zu versteuerndes Einkommen von 9.745 Euro bis 14.753 Euro wird mit einem Steuersatz zwischen 14 und 24 Prozent besteuert (erste Progressionszone).
    Ein zu versteuerndes Einkommen von 14.754 Euro bis 57.918 Euro wird mit einem Steuersatz zwischen 24 und 42 Prozent besteuert (zweite Progressionszone).


    Beschränkte Steuerpflicht bedeutet auch, dass das Welteinkommen nicht dem Progressionsvorbehalt unterliegt. Die Satzbestimmung verbleibt im Land der steuerlichen Ansässigkeit.


    Aber: Eine weiter in D abzuzahlende Wohnung - wenn auch vermietet - und eine Wohnsitznahme kurz nach der "Auswanderung" würden mich als unbedarften Finanzbeamten recht schnell zur Überlegung bringen, wo wirtschaftliche* und persönliche Schwerpunkte liegen und ob die "Auswanderung" daher nicht einfach nur ein Arbeitsplatz im Ausland ist. Insofern würde ich die wirksame Verlagerung der steuerlichen Ansässigkeit mal ganz genau durchdenken.


    Je nachdem wie das Beamtenhirn arbeitet, wirst Du dann doch in D steuerlich ansässig bleiben. Und dann wird da schon richtig ordentlich bei der Steuer zugeschlagen. (Dafür wäre allerdings der Grundfreibetrag wieder steuerfrei - was aber durch ein Gehalt in der Schweiz/Liechtenstein über den Progressionsvorbehalt mehr als "verfrühstückt" wird :grinning_face_with_smiling_eyes: )



    * Eine Wohnung in D [über die Probezeit einer Anstellung] zu behalten ist i.d.R. ein schlechter Move und stellt einen vor hohe administrative Hürden, ebenso wie die ständige Einrede der wirtschaftlichen Interessen in D. Dabei gibt es natürlich Ausnahmen: Wenn man ein umfangreiches Vermögen hält und eine Wohnung/Haus in D nur ein kleiner Bruchteil davon ist, dann "entwertet" das die wirtschaftlichen Interessen, da es dann nicht der überragende Teil des Vermögens ist. (Insofern ein weitaus grösserer Teil tatsächlich im Ausland liegt.)


    Der Steuerberater kann das auch nicht lösen, nur an der Lösung in Zusammenarbeit mit dem Finanzamt mitarbeiten. In jedem Fall empfiehlt es sich das aber proaktiv mit dem Finanzamt zu klären. Nachforderungen können sonst immense Höhen erreichen und bei vorhandenen Vermögenswerten in D sind die Finanzämter auch nicht zimperlich was die Vollstreckung der Forderungen angeht. (Für ein teures Ruling dürfte der Fall zu klein sein, wäre aber die rechtssichere Variante.)

  • So wie das ausschaut, ist das mir zu riskant und ich werde das wohl bleiben lassen.


    Aber eine Frage hätte ich, woher kommen diese 9745€? Und wenn ich nur beschränkt Steuerpflichtig bin, kann ich auf die 16745€ die Zinskosten absetzen, oder überhaupt irgendetwas absetzen?


    Die Wohnung wurde ein Jahr zuvor als Finanzanlage gekauft in Berlin, die Mieter wohnen seit über 16 Jahren in dieser Wohnung. Eine andere Frage, kann ich die Mieteinnahmen über Bruder laufen lassen und er bezahlt den Kredit ab? Das sollte problemlos möglich sein oder?


    Vielen Dank und liebe Grüsse

    Hannah

  • Die 9745 € sind der steuerfreie Grundfreibetrag. Ab da beginnt die Steuertabelle in Deutschland. Und da es nur diese eine Tabelle gibt und keine explizite für beschränkt Steuerpflichtige (denen der Freibetrag nicht zusteht), wird es virtuell zum Einkommen gezählt, so dass bei beschränkter Steuerpflicht bereits der erste Euro Einnahme auch mit dem Einstiegssteuersatz von mind. 14% belegt wird.


    Zinskosten sollten abzugsfähig sein, wenn der direkte Zusammenhang mit der Immobilie hergestellt ist.


    Mieteinnahmen kann nur der Vermieter deklarieren. Das ist üblicherweise der Eigentümer der Immobilie so wie im Grundbuch aufgeführt. Dein Bruder müsste also die Wohnung kaufen (unvermeidliche Kaufnebenkosten beachten), das erscheint unpraktikabel. Alle Konstrukte die man sonst erstellen könnten würden aber bei Dir als Eigentümerin der Immobilie und damit der wirtschaftlich Berechtigten wohl immer in einem Umgehungstatbestand enden und wären angesichts der geringen Gewinne wohl administrativ zu komplex. Also besser nicht machen.


    Zu beachten ist auch, dass die Wohnung als Vermögen bei der schweizerischen Steuererklärung zu deklarieren ist. Hier wird sie in der Theorie satzbestimmend wirksam bei der Vermögenssteuer. Ob dadurch die (vermutliche) Quellensteuerpflicht bereits in eine ordentliche Veranlagungspflicht umgeändert wird entscheidet das zuständige Steueramt.