Beiträge von toblerone

    Ach, ich weiss mittlerweile nicht mehr. Bevor wir hier in die Schweiz zogen, hatten wir uns so viele Gedanken gemacht. Sind wir kompatibel? Wie ist die Mentalität? Können wir dort Fuss fassen? Was, wenn wir nur Ablehnung erfahren? Gibt es einen Plan B? Und so weiter...
    Es ist rückblickend fast schon lustig. Ich als Sonderschullehrerin mit so viel sozialer Interaktion tagsüber bin ja eher ein sehr zurückhaltender Mensch, wenn ich Freizeit habe. Ich geniesse die Ruhe und Zurückgezogenheit, liebe die Natur und kann gut mit mir alleine sein. Vor der Übersiedlung in der Schweiz hatte ich mir auch genau so unser zukünftiges Leben vorgestellt: Beim Wandern, in der Natur, nicht zu viel Kontakt, immer mal wieder ganz weit weg von allem in den Alpen an einem einsamen See.... so, oder ähnlich.
    Nichts davon ist gekommen. Wir haben so viele Menschen getroffen, Freundschaften begonnen, sind ständig irgendwo eingeladen und dass Schweizer zurückhaltend oder uns gegenüber eher verschlossen seien, das kann ich nicht behaupten. Und wir sind nicht mal auf der Suche nach Kontakten gewesen. Vielmehr kamen und kommen viele Schweizer aus uns nicht erfindlichen Gründen auf uns zu und plötzlich finden wir uns in verwunschenen Gärten, netten Hexenhäuschen oder diesen wunderbaren uralten Emmentaler Häusern wieder und finden Gastfreundlichkeit und Freundschaft.
    Irgendwie scheinen wir gut hier herein zu passen. Wenn ich zur Arbeit fahre und das Alpenpanorama vor mir sehe, bekomme ich immer noch jeden Tag eine Gänsehaut.
    Ich liebe dieses Land. Ich liebe die Freundlichkeit der Menschen. Ich liebe die Stadt, in der wir wohnen. Und ich liebe meine Arbeitsstelle mit all den unglaublich guten und liebevollen Kollegen. Und ich liebe die Menschen, die sich uns geöffnet haben, die vielen schönen Stunden mit Freunden. Ich liebe das Grillieren und den Apéro.
    Für uns war dieser Schritt, die Zelte abzubrechen und hier her auszuwandern genau richtig. Wir sind hier glücklich. Manchmal überkommt mich kurz ein trauriges Gefühl, weil wir nicht schon 10 Jahre früher diesen Schritt gewagt haben.
    Liebe Grüsse

    Hallo,
    ich arbeite jetzt seit diesem Schuljahr in der Schweiz als Lehrerin.
    Für mich passt es sehr gut, da ich genau das machen darf, wofür ich wirklich brenne.
    Allerdings muss jedem/jeder Lehrerin klar sein, dass wir hier in der Schweiz gänzlich andere Arbeitszeiten haben.
    Es gibt mehr Wochenstunden zu unterrichten, diese Wochenstunden heißen in der Schweiz Lektionen.
    Normalerweise hat man vier Lektionen am Vormittag, dann eine relativ lange Mittagspause, in der in der Regel auch häufig Gesprächstermine laufen, und dann am Nachmittag nochmal zwei bis vier Lektionen.
    Dazu kommen ausführliche Elterngespräche, die protokolliert und entsprechend evaluiert werden müssen, ausführliche Berichtstätigkeit und die eine oder andere Konferenz, meist im wöchentlichen Turnus.
    In Deutschland hatte ich bei vollem Stundendeputat eine vier-Tage-Woche und war meist um 15 Uhr daheim.
    Hier arbeite ich fünf Tage die Woche und bin so gegen 7:30 Uhr an der Schule, habe morgens vor Unterrichtsbeginn eine kurze Besprechung im Kollegium und komme selten vor 16 Uhr aus dem Haus.
    Ich liebe meinen Job und fühle mich hier sehr wohl.
    Schule halten ist jedoch etwas ganz anderes als in Deutschland.
    Auch habe ich mein Beamtendasein aufgegeben und bin jetzt angestellt. Theoretisch bin ich jederzeit kündbar. Das heißt eben auch, dass man wirklich gerne und gut sein muss im Job, sonst muss man auch schnell mal gehen. Da die Lehrergehälter hier relativ hoch sind, wird da auch nicht lange gefackelt. Das ist zumindest meine Erfahrung, auch wenn es mich, wie gesagt, nicht betrifft, weil alles passt.
    Nur sollte man eben sehr genau überlegen und sich wirklich sicher sein, denn Lehrersein in Deutschland bringt große Privilegien mit sich, die man nicht so ohne weiteres ausblenden sollte.
    LIebe Grüße, Tobi

    Hallo,
    Wir waren beim Optiker (einer großen Kette), der Test war innerhalb von 10 Minuten erledigt. Alles total unkompliziert. Das Formular haben die beim Optiker vorrätig. Der Test kostete 8 CHF pro Person.
    Letzte Woche Dienstag waren wir dann auf dem Verkehrsamt und am Samstag war der neue Führerschein im Postkasten.
    Wir hatten uns vorher mehr Sorgen gemacht und wieder mal gemerkt, dass oft nicht so heiss gegessen wie gekocht wird.
    Und wie immer : Freundlichkeit und gutes Benehmen siegt!
    Beste Grüsse
    Tobi

    Hallo ihr alle,
    es ist eine Weile vergangen. Ich habe mich mittlerweile eingearbeitet, mein Sohn sich in der neuen Schule eingelebt und so langsam nimmt die Möblierung unserer Wohnung Gestalt an.
    Ich wollte nur mal schreiben, dass es uns gut geht.
    Die Arbeit als Sonderschullehrerin mit stark verhaltensauffälligen Kindern ist letztlich die Erfüllung meiner Träume. Ich fühle mich sehr wohl an der Schule und habe jede Menge nette Kollegen.
    Wir freuen uns auf die Ferien in zwei Wochen und werden dann das erste Mal seit dem Umzug wieder in unsere Heimatstadt fahren. Ich bin neugierig, wie das dann für uns sein wird. Unser Kind freut sich sehr, da sich die große Schwester, die da geblieben ist, extra für ihn Urlaub genommen hat und die beiden eine Woche Geschwisterzeit voll verplant haben.
    Wenn ich hier auf meinem Aussensitzplatz sitze, oder durch die Natur gehe, dann bin ich jeden Moment sehr dankbar, dass ich hier sein darf. Stand jetzt war es die richtige Entscheidung.

    hallo Amadeus,
    Du hast meine Überlegungen auf en Punkt gebracht. Unser Sohn ist da mit einbezogen und findet das gut. So hat er etwas Luft. Vom Alter passt es und es ist eben ein Schachzug...
    Liebe Grüße, Tobi

    hallo Gonzales,
    Deine Freundin hat eine ganz normale Ausbildung gemacht. Als staatlich anerkannte Erzieherin hat sie keine Hoch- oder Fachhochschule besucht. Gleichwohl würde sie sicher eine gute Anstellung finden. Anerkannt bekommt sie ihren Beruf bei der EDK, der Erziehungsdirektorenkonferenz. Einfach auf der Seite der EDK nachschauen. Ein Anerkennungsgesuch kostet 800 CHF und die Zeugnisse müssen beglaubigt sein, außerdem muss man noch vieles anderes beachten. Das ist da alles aufgeführt. Wichtig ist, sorgsam zu sein, denn wenn Fehler beim Ausfüllen gemacht werden oder Unterlagen fehlen, ist das Geld futsch und der Antrag wird nicht bearbeitet.
    Die Bearbeitungszeit beträgt zwischen 3 und 4 Monaten.
    Nette Grüße, Tobi

    hallo Ina,
    Unser Sohn wird Ende August 13. In Frankfurt war er auf dem Gymnasium und hat die 6. Klasse übersprungen, ist also direkt von der 5. in die 7. und würde jetzt nach den Ferien in die 8. kommen.
    Nächste Woche habe ich einen Termin mit der Leiterin vom Langgymnasium. Wahrscheinlich lasse ich ihn die 7. nochmal machen, damit sein Französisch besser wird.
    Er darf dort zunächst als Hospitant dabei sein und muss dann im März die Aufnahmeprüfung schaffen. Wenn alles gut geht und die Schule mir grünes Licht gibt. Das ist zumindest der Plan.
    Falls das nicht klappt, werde ich weiter forschen müssen...
    Beste Grüße Tobi

    hallo Kerstin,
    Besten Dank für die guten Wünsche. Ha, das ist lustig. Unser Auto würde gar nicht gewogen. Die haben da wahrscheinlich jede Menge Spielraum....
    Heute steht bei uns der Führerschein an. Wir waren eben beim Optiker und jetzt geht's mit dem Bus zum Verkehrsamt.
    Mit der (hoffentlich) Schule meines Sohnes habe ich telefoniert. Da geht es auch weiter... Ich hoffe, dass es alles so klappt und er ins Langgymnasium einsteigen kann. Das macht mir gerade etwas Bauchschmerzen
    Liebe Grüße, Tobi

    Hallo Amadeus und vielen Dank für die Blumen! Ich weiß gerade nicht, wo meine Vasen sind, da kommt das Bild gerade recht.
    Beste Grüße, Tobi

    hallo vivienne,
    Die haben uns beim Zoll den Stempel gegeben, auch für den Hund und das war's.
    Liste und Arbeitsvertrag wurden kopiert.
    Und dann dürften wir einfach durchfahren.
    Wichtig ist glaub ich, dass man freundlich ist und sich nicht aus der Ruhe bringen lässt...
    Und organisiert sein. Wenn alles zack zack zur Hand ist und man zeigt, dass man alle Formulare ernsthaft ausgefüllt hat, macht das glaub ich einen guten Eindruck.
    Liebe Grüße und gutes Zügeln
    Tobi

    Hoi zämme,
    Gestern sind wir mit einem kleinen Teil unserer Sachen im Sprinter über die Grenze gefahren. 385 Kilometer klingen nicht viel, aber zwischen Winterthur und Frankfurt liegen Welten...
    Alles klappte übrigens wie am Schnürchen.
    Der Zollbeamte sagte zwar, es gäbe schon genug Menschen in der Schweiz und er heiße uns jetzt nicht wirklich willkommen, aber ich lächelte und meinte, die Schweiz habe mich unbedingt gewollt und sei mir hinterhergerannt. Als er dann meinen Vertrag sah, wurde er sehr freundlich. Und 30 Minuten später waren wir abgefertigt und durften einreisen.
    Wir haben alles Wichtige im Bürgeramt beantragt, den Hund angemeldet und ein Konto bei der Zürcher Kantonalbank eröffnet. Das ging alles sehr fix.
    Jetzt sitzen wir in der neuen Wohnung, nächste Woche stehen die ersten Dienstbesprechungen an und wir sind alle müde und glücklich.
    Insgesamt haben wir bisher nur gute Kontakte gehabt und sehr viel Hilfsbereitschaft erfahren....
    Liebe Grüße, Tobi

    Hallo wir sind jetzt auch bald soweit und irgendwie sitzen wir jetzt langsam auf heißten Kohlen.
    @Henning,
    wir haben ein Umzugsunternehmen gebucht, das den größten Teil unserer Habe über den Zoll bringen wird. Dabei habe ich wirklich sehr akribisch alles katalogisiert, sodass der Zollbeamte nur schauen muss, was in KIste 1, 2 oder 29 ist und dann alles komplett aufgelistet findet... Das wollte das Umzugsunternehmen so und ich find es mittlerweile auch richtig gut, weil ich das erstemal im Leben wirklich 1. genau weiß, was wir besitzen und 2. genau weiß, wo was steckt...
    Wir werden uns einen Sprinter mieten und die Sachen, die nicht kaputt gehen dürfen und die uns wirklich am Herzen liegen, so über die Grenze bringen.
    Als ich dazu Fragen hatte, habe ich mich direkt an den Zoll gewandt und die zuständigen Zollbeamten waren sehr freundlich und unglaublich hilfsbereit. Nach einem ausführlichen Telefonat war alles für uns wichtige geklärt,
    Heute waren wir bei uns auf dem Bürgeramt und seitdem steht auf meinem Perso "keine Wohnung in Deutschland"...
    Nächste Woche um diese Zeit bin ich gezügelt und kann dann Zollerfahrungen direkt schildern.
    Der nächste Schritt wird dann sein, in der Schweiz ein Auto zu kaufen. Unseres wurde vor einigen Monaten von einem Lastwagen zerstört und wir haben uns dann gesagt, dass wir ohne eigenes Auto auswandern und uns dieses erst dort anschaffen werden....
    Liebe Grüße,
    Tobi

    Hallo Honigbiene,
    wir kommen aus Frankfurt und ziehen 400 km weiter. Eigentlich ist das gar keine wirklich weite Strecke, aber dazwischen liegen Welten.
    Ich hoffe sehr darauf, dass es beruflich schön wird. Zumindest hat mir bisher alles gefallen, was ich über meine neue Stelle in Erfahrung bringen konnte und die neuen Kollegen sind alle bisher sehr hilfsbereit und freundlich.
    Liebe Grüße und ich wünsche dir einen guten Anfang in Sissach

    Vielen Dank,
    heut haben wir mit unserem besten aller Sachbearbeiter telefoniert, am 5. August ist die Wohnungsübergabe. Dann haben wir eine schöne Bleibe in der Schweiz und unser Hund wird frische Luft schnappen...
    Alles geht seinen Lauf.
    Mein Mann und ich sprechen gerade viel darüber, wie ein kleiner Gedanke, die kurze Idee, neue Schritte zu wagen, innert einiger Monate so an Fahrt gewinnen kann, dass sich daraus ein völlig anderes Leben entwickeln kann. Jetzt arbeiten wir gerade nur ab, was ansteht. Aber am Anfang stand eine Phantasie davon, dass es noch etwas anderes geben müsse für uns.
    Beste Grüße an alle aus der Hitze der Großstadt,
    Tobi

    Vielen Dank,


    ich freu mich immer, wenn ich hier ein feedback bekomme und bin gespannt wie ein Flitzebogen, wie sich die nächsten Wochen gestalten werden.
    Gerade sitze ich in der Kammer des Schreckens und miste bei meinem Sohn die Sachen aus. Allein dafür lohnt sich der Umzug schon. So viel für die Tonne... ;(
    Der Blick in dieses Forum und deine lieben Zeilen halten mich davon ab, in Schwermut zu versinken bei all der Unordnung.... 8o:CH:

    Vielen Dank!


    Wir erleben zur Zeit so viel schönes. Im Abschied zeigt sich, wie viele Menschen uns - ohne dass wir das vorher bemerkt hätten - gerne hatten. Nachbarn melden sich, Bekannte kommen vorbei und wir dürfen neben dem Packen und der Administration gerade schöne Stunden mit Menschen von überall her erleben.
    Die Möbel, die wir aussortiert haben, haben wir gestern einem jungen Päärchen geschenkt, das gerade nach Deutschland einwandert. Ich hätt gar keinen Sperrmüll bestellen müssen, die zwei haben sich riesig gefreut und ich muss meine Waschmaschine und die Couch nicht mehr vom zweiten Stock auf die Straße wuchten lassen...
    So merke ich, dass alles im Fluss ist und das ist schön.
    Wir sind gerade einfach sehr dankbar und nehmen diese Erfahrungen mit in unser Abenteuer in der Schweiz!


    Liebe Grüße, Tobi

    Hallo Joshua,
    ich denke, ich verstehe, dass du aufgebracht bist. Darüber hinaus freue ich mich, dass du einen lustigen und bunten Freundeskreis hast.
    Beim Lesen dieser Erfahrungen mit "der Schweiz" und "den Schweizern" überkommt mich dann doch ein Gefühl von Fremdheit. Nicht der Schweiz gegenüber, sondern dem Inhalt der Vorwürfe und der Art und Weise des Vortrags.
    Zwar lebe ich noch nicht in der Schweiz, das hat noch zwei Wochen Zeit, aber meine Erfahrung zeigt mir, dass es schon ein wenig darauf ankommt, wie man in den Wald hineinbrüllt...
    Und zeigt ein Finger auf die anderen, so zeigen doch drei zurück auf einen selbst.
    Integration leitet sich ab vom lateinischen Wort "integrare", das heißt "hinein nehmen". Ich muss also bereit sein, von mir selbst ein Stück abzurücken und Platz zu machen für das Fremde da draußen, damit ich es "hinein nehmen" kann. Der Entschluss in einem fremden Land zu leben beinhaltet also aktive Auseinandersetzung und das Interesse an Integration.
    Das ist überall auf der Welt so.
    Die Wohnungsgesellschaft, die an uns vermietet, liegt übrigens in Zürich, auch wenn wir selbst nicht dort wohnen werden, sondern im Kanton. Aber da habe ich es mit eigenen Augen gesehen: Es gab keine drei Meter hohen Nasen und zu uns waren alle Beteiligten sehr freundlich. Unser Sachbearbeiter, der ja mich als "Anfänger ind Schweiz" ertragen muss, zeigt mir gegenüber wirklich viel Geduld und einen feinen Sinn für Humor. Wie gesagt, der Ton macht die Musik...
    Beste Grüße

    Hallo,
    also wir freuen uns total auf den Kanton Zürich. Wir sind zwar keine Top Anwälte mit Top Positionen, aber dafür haben wir bisher nur Top Erfahrungen mit Land und Leuten gemacht....
    Gleichwohl finde ich es super, wenn es einem nicht gefällt, die Konsequenzen zu ziehen und wo anders zu leben. Mit Deiner Ausbildung ist das wohl auch kein Problem, da wirst Du wahrscheinlich in Deutschland ohnehin mit offenen Armen empfangen.
    Wandlung und Loslassen können ist eine nicht zu unterschätzende Fähigkeit!
    Liebe Grüße und alles Gute für den Wiederanfang in Deutschland!