Erweiterte beschränkte Steuerpflicht - Relevant?

  • Hallo zusammen


    Ich bin Anfang April von D nach CH gezogen und arbeite seitdem bei einem Schweizer Unternehmen.


    Nun bin ich, ausgehend von der Frage ob ich mein Deutsches ETF Depot in die Schweiz holen sollte, über die Thematik der "Erweiterten beschränkten Steuerpflicht" gestolpert.


    Nach meinem Verständnis können die deutschen Steuerbehörden im Falle eines Wegzugs in ein "Niedrigsteuerland" wie die Schweiz und noch in Deutschland bestehenden "wesentliche wirtschaftliche Interessen" den Status der erweiterten beschränkten Steuerpflicht verhängen.


    Damit wären bestimmte Einkunftsarten weiterhin in Deutschland steuerpflichtig.


    Ich habe noch nicht ganz verstanden für welche Einkünfte das der Fall wäre und wie schlimm die Auswirkungen wären.


    Hat jemand von euch schon Erfahrungen damit gemacht? Ein Kriterium der "wesentlichen wirtschaftlichen Interessen" ist erfüllt, wenn mind. 30% des Vermögens in Deutschland liegen. Das wäre mit meinem ETF Depot bei einer Deutschen Bank der Fall.


    Info zu dem Thema:

    Besteuerung nach dem Wegzug: Die erweiterte beschränkte...
    Nach dem Wegzug in ein Niedrigsteuerland kann die beschränkte Steuerpflicht natürlicher Personen in Deutschland für max. elf Jahre erweitert werden.
    www.roedl.de


    Viele Grüsse

    Markus

  • Ich habe mich damals bei meinem Banken erkundigt, da wurden mir erzählt dass ich Depots etc. bei den deutschen Banken belassen kann, man muss allerdings denen die neue Adresse mitteilen. Depots usw. muss man allerdings bei der Schweizer Steuererklärung angeben und unterliegen dann der Vermögenssteuer. Die Steuerbescheide die ich für meine Depots bekomme habe ich dann meiner Steuererklärung beigelegt, da ich in Kanton Zürich wohne habe ich aber seit über einem Jahr noch keinen Bescheid bekommen, daher ich ich nicht sagen ob das so richtig war :winking_face:

  • Hi fillg,


    danke für deine Antwort. Also war das Thema erweiterte beschränkte Steuerpflicht kein Thema?

    Ich vermute die Regelung zielt sowieso eher auf Unternehmer und wirklich vermögende Personen - Ich bin nur über das Kriterium "min. 30% des Vermögens ist in Deutschland" gestolpert. Da mein Vermögen grösstenteils im deutschen ETF Depot liegt wäre das der Fall.


    "Daneben müssen in Deutschland trotz des Wegzugs in das Ausland wesentliche wirtschaftliche Interessen verbleiben. Wesentliche wirtschaftliche Interessen liegen vor, wenn

    • der Stpfl. zu Beginn des Vz (Mit-)Unternehmer eines inländischen Betriebs ist. Ist der Stpfl. Kommanditist, greift die Regelung nur bei einer mindestens 25 %igen Gewinnbeteiligung.
    • eine wesentliche Beteiligung i. S. d. § 17 EStG (d. h. mindestens 1 %) an einer inländischen Kapitalgesellschaft besteht.
    • mehr als 30 % nicht ausl. Einkünfte erzielt werden oder diese Einkünfte den Betrag von 62.000 EUR übersteigen. Dabei sind nicht nur die Einkünfte gem. § 49 EStG zu berücksichtigen, sondern alle Einkünfte, die nicht gem. § 34d EStG zu den ausl. Einkünften gehören. Daher sind insbesondere auch Renten und Zinsen zu erfassen.
    • das Vermögen, aus dem Einkünfte erzielt werden, zu mehr als 30 % aus nicht ausl. Vermögen besteht oder den Gesamtbetrag von 154.000 EUR übersteigt."

    Erweitert beschränkte Steuerpflicht – ABC IntStR | Haufe Steuer Office Excellence | ...
    1 Systematische Einordnung Die erweitert beschr. Steuerpflicht gem. § 2 AStG ist eine Sonderform der beschr. Steuerpflicht, wenn der Stpfl. aus der…
    www.haufe.de

  • Ich muss gestehen dass ich mich mit dem Thema nicht wirklich beschäftigt habe, letztendlich sollte man sich da doch Rat von einem Steuerberater holen, wenn man sicher sein will.

    Kurz vor meinem Umzug habe ich allerdings in mehreren Börsen- bzw. Finanzforum erkundigt und da war das nie Thema. Eigentlich wollte ich auch noch zu einem Steuerberater, aber wegen der Corona-Krise habe ich keinen Termin mehr bekommen.

  • Anders als bei Immobilien oder anderem unbeweglichem Vermögen gibt es für Aktien/Fonds keinen Belegenheitsstaat. Das wird normalerweise dem Globalvermögen zugerechnet und ist somit am Ort der steuerlichen Ansässigkeit zu versteuern. Für die Schweiz bedeutet das Dividendenbesteuerung sowie Vermögenssteuer.


    (Im Gegensatz dazu bei Immobilien: hier wird im belegenden Staat versteuert, so z.B. Mieteinnahmen in Deutschland, Vermögenssteuer dann nur satzbestimmend in der Schweiz.)


    Die Vermutung, dass ein in Deutschland geführtes Depot somit ein "deutsches Depot" ist und der Inhalt in der Schweiz nicht steuerlich wirksam ist, ist somit nicht richtig, da es dabei i.d.R. keine Betrachtung nach "inländisch" oder "ausländisch" gibt.


    Insofern steht einem Transfer in die Schweiz i.d.R. wenig entgegen, Du tauschst damit ja nur die depotführende Bank aus. Der Ablauf bei der Steuererklärung ist dafür dann deutlich schneller und transparenter, die Banken liefern auf Knopfdruck die Steuerunterlagen für das Depot und das kann dann eingereicht werden. Darüber wird dann auch die Verrechnungssteuer auf Dividenden geltend gemacht.

  • Danke für die Info

    Ich habe bis jetzt die Depotübertragung gescheut, da ich vor längerer Zeit da mal ein ein paar Höllengeschichten gehört habe, von sehr hohen Gebühren bis zu verloren gegangenen Depotwerten und dass die Übertragungen als Verkauf mit anschliessendem Neukauf gewertet wurden., das ist allerdings alles Hörensagen.

  • Gebühren können natürlich anfallen.


    Du brauchst i.d.R. die LEI der neuen depotführenden Bank sowie die IBAN des Depot-Kontos.


    Wenn parallel dazu kein Eigentümerwechsel stattfindet, ist das mit einem einseitigen Formular erledigt.