Hürden der Einwanderung

  • Hallo liebe Community,


    ja, ich bin neu hier, habe aber aus anderen Foren durchaus Erfahrung im Umgang damit.


    Was treibt mich hierher?


    Ich habe vor mittlerweile mein Partnerin - die Schweizerin ist - kennen gelernt und wir wollen nun gemeinsam "durch´s Leben gehen". Aber alles gar nicht so einfach, denn derzeit führen wir eine Fernbeziehung, was - wie ich vermutlich nicht groß erklären muss - nicht wirklich zufriedenstellend für uns beide ist.


    Das ist der aktuelle Stand der Dinge:


    Meine Partnerin - nennen wir sie einfach mal "Schatzi" - ist, wie ich schon sagte Schweizerin, lebt und arbeitet in der Nähe von Zürich in einem "Bundesunternehmen". Damit verfügt Sie über einen Status, den sie sicher nicht aufgeben sollte. Darüber hinaus hat sie eine Führungsposition inne, die damit auch für schweizerische Verhältnisse ganz ordentlich vergütet wird. Es wäre also eher "unsinnig", wenn sie sich auf den Weg zu mir macht.


    Ich bin seit mittlerweile rund fünfzehn Jahren in der "Personen-Logistik" tätig und habe in dieser Zeit vom "einfachen Fahrer" (Achtung! Das sind verdammt wichtige Menschen!) bis zu einer Tätigkeit in der Disposition gebracht. Ich wage es daher zu behaupten, dass ich sehr umfangreiche Kenntnisse in diesem Business mitbringe.

    Was habe(n) ich (wir) vor?


    Unser Plan sieht vor, dass ich mich nach einer geeigneten Stelle umschaue und darauf bewerbe. Das ist nun auch schon bei diversen Stellen geschehen, aber leider - ich werdet es ahnen - von keinerlei Erfolg gekrönt. Aber ich will natürlich nicht aufgeben und habe mich auch nach anderen Tätigkeitsfeldern umgeschaut. Da ich auch über eine handwerkliche Ausbildung verfüge, habe ich mich also auch für die eine oder andere Stelle in diesem Bereich beworben. Okay, ich habe kein EFZ (für die Unwissenden unter euch: Eidgenössisches FachZeugnis), bin aber im Besitz einer deutschen Ausbildung mit erfolgreich abgeschlossener Prüfung. Ich denke mal, dass das dem EFZ durchaus nahe kommt. Aber leider sieht es auch in diesem Bereich gar nicht rosig aus.


    Welche Antworten bekomme ich?


    Nunja, wie gerade schon sagte: alles Absagen. Inhaltlich jedoch sind diese Absagen so gehaltvoll, wie ein Glas Wasser nach Cola schmeckt. Natürlich ist es deren recht, einfach abzusagen und den Bewerber damit "stehen" zu lassen. Das ist einfach und macht wenig Arbeit. Ob das für mich befriedigend ist? Naja, wohl kaum, aber ich muss mich damit - auch wenn es mir verdammt schwer - fällt damit abfinden.


    Wie ist die Arbeitsmarktsituation?


    Wenn man die Anzahl der ausgeschriebenen Stellen mal als Basis nimmt, dann scheint es dort doch recht großen Bedarf an Fachpersonal zu geben. Daraus resultiert, dass ich "eigentlich" recht gute Chancen haben müsste. Tja, aber nur müsste.


    Ich habe mich also mal auf einschlägigen eidgenössischen Seiten über die Bedingungen kundig gemacht und bin auf das Thema "Freizügigkeit" gestoßen. Die Bedeutung - so glaube ich jedenfalls - muss ich an dieser Stelle nicht erklären. Aber, selbst als EU-Bürger unterliege mittlerweile schon lange nicht mehr der Freizügigkeit, denn die Schweiz hat vor einiger Zeit den Inländervorrang entdeckt. Damit geht einher, dass Unternehmen, die Fachpersonal händeringend benötigen, scheinbar seit einiger Zeit damit begonnen haben, Ausländern vor vornherein weniger Chancen zu geben, als ihnen eigentlich zustehen würde.


    Welche Hürden gibt es noch?


    Neben der nicht mehr vorhandenen Freizügigkeit wurden auch Kontingente eingeführt, die darüber bestimmen, wie viele Ausländer für Ihre Einwanderung eine "B"-Bewilligung erhalten. Natürlich darf man auch nicht die ganzen Formalitäten vergesssen, die ganz sicher auch dazu beitragen, dass sich Unternehmen davor scheuen, diese Arbeit auf sich zu nehmen.


    Was erwarte ich nun von Euch?


    Das ist relativ einfach: Ich bin für jeden Tipp dankbar, der mir hilft, diese Hürden zu bewältigen. Was ich aber nicht will (und schon gar nicht gebrauchen kann) ist Mitleid. Stellt mir gerne Fragen! Ich werde versuchen jede Frage so gut wie möglich zu beantworten. Falls jemand mit mir außerhalb dieses Forums sprechen möchte, kann (hoffe ich jedenfalls) sich gern per PN bei mir melden.


    Ich freue mich auf Eure Beiträge.

  • Deine Informationen sind lückenhaft oder falsch verstanden.


    Für Angehörige der Eu15 (Gründungsstaaten) gibt es volle Personenfreizügigkeit ohne Inländervorrang oder Kontingente/Ventilklausel.


    Inländervorrang gibt es vor allem bei Tätigkeitsbereichen die überdurchschnittliche Arbeitslosenquoten haben.



    FZA


    Für mich ergibt sich somit die Frage welche Nationalität Du hast, dann kann man leicht schauen ob Du einer Reglementierung unterliegst.


    Weiter kannst Du als EU Bürger ohne Probleme bis zu 90 Tage bewilligungsfrei bei Deiner Freundin in der Schweiz verbringen. Das wäre für mich der Ansatz vor Ort Kontakte zu knüpfen und diese dann für die Stellensuche zu nutzen.


    Je nach handwerklicher Ausbildung kann eine förmliche Anerkennung der Berufsausbildung beantragt werden, dann bist Du auch auf dem Papier gleichwertig bei der Anforderungserfüllung. Der Aufwand für den AG bei Beschäftigung eines EU-Ausländers hält sich sehr in Grenzen, das würde IMHO nicht dazu führen dass geeignete Kräfte keine Berücksichtigung finden.


    Zum Feedback bei Bewerbungen: Wenn Du in der ersten Runde bereits aussortiert wirst, ist es völlig normal kein Feedback zu bekommen, nicht zuletzt um keine Munition für „Pseudo-Diskriminierungsverfahren“ zu liefern. Hier könnte eine zielgerichtetere Bewerbung (gerne initiativ) vielleicht bessere Erfolge bringen.

  • Ein ganz kleiner Tipp von meiner Seite.


    Es macht einen riesen Unterscheid, wenn du bereits in der Schweiz bist, und quasi sofort verfügbar wärst.
    Es schreckt viele Firmen ab, dass der Bewerber noch in Deutschland wohnt, daher sparen Sie sich den Stress und lassen das ganze direkt sein.


    Viele Grüsse
    Tommes

  • Wäre auch fast meine Erfahrung gewesen...selbst beworben= sofort Absagen.
    Über einen Headhunter=sogleich Antwort bekommen.Seitdem ich hier Vorort wohne..habe ich schon den 3ten Job in Folge an Land gezogen..innerhalb kürzester Zeit, ohne Headhunter.

  • Wäre auch fast meine Erfahrung gewesen...selbst beworben= sofort Absagen.
    Über einen Headhunter=sogleich Antwort bekommen.Seitdem ich hier Vorort wohne..habe ich schon den 3ten Job in Folge an Land gezogen..innerhalb kürzester Zeit, ohne Headhunter.

    ist halt beim Thread Ersteller nicht so leicht. in der IT kriegt man via Headhunter und 3-4 Jahren Erfahrung in seinem Job die Stellenangebote nachgeschmissen. Vor allem im SAP Bereich ist das in der Schweiz krass.


    Eventuell gibt es aber auch Headhunter, die im Bereich Disposition/Logistik vermitteln. Wenn hier SAP Kentnisse vorliegen als Key User kann das schon ausreichend sein.

  • Hallo und guten Morgen,


    falls ich das noch nicht erwähnt hatte: Ich bin Deutscher.


    Ich würde gern die bewilligungsfreie Zeit (max. 90 Tage ) nutzen und mich vor Ort für potenzielle Arbeitgeber zur Verfügung halten, aber das muss auch finanzierbar sein. Ich besitze eine ETW - die muss natürlich auch weiterhin bezahlt werden.


    Dann ist da noch der aktuelle Job. Wenn ich länger weg sein will, dann geht das nur, in dem ich dort "aussteige". Ich glaube kaum, dass mein Chef mir bspw. drei Monate unbezahlten Urlaub gibt und ich dann doch nicht wieder zurück komme.


    Das Thema FZA finde ich ohnehin extrem unübersichtlich. Selbst auf der Seite des Migrationsamtes muss man sich Informationen zusammen sammeln. Und wenn einem da die Kontingentierung über den Weg läuft, dann ist das für einen Laien nicht so ganz einfach.


    Trotzdem natürlich schon mal vielen Dank für eure Tipps. So haben wir wieder neuen Gesprächsstoff.


    Viele Grüsse
    Rüdiger

  • ...


    Je nach handwerklicher Ausbildung kann eine förmliche Anerkennung der Berufsausbildung beantragt werden, dann bist Du auch auf dem Papier gleichwertig bei der Anforderungserfüllung. Der Aufwand für den AG bei Beschäftigung eines EU-Ausländers hält sich sehr in Grenzen, das würde IMHO nicht dazu führen dass geeignete Kräfte keine Berücksichtigung finden.


    ...

    Hallo Markus,


    Wo kann man denn diese förmiche Anerkennung der Berufsausbildung beantragen?
    Und geht das auch schon im Vorwege?


    Viele Grüsse,
    Rüdiger

  • Hoi Rüdiger


    Zu deinen langjährigen Erfahrungen in der Logistik - gibt es da auch eine Ausbildung und Zeugnisse, Weiterbildungen, Arbeitsbestätigungen, Zertifikate oder Urkunden und dergleichen??? Wenn nämlich nicht, dann kann es daran liegen, das du nur Absagen erhältst. In Deutschland kann man sich nämlich ganz gut ohne diese Papiere hoch arbeiten - aber hier in der Schweiz eher nicht.


    Das ist nicht böse gemeint, aber je mehr Unterlagen du zu deinem Werdegang besitzt um so besser. Diese solltest du dann bei deinen bisherigen Arbeitgebern noch einfordern, das geht auch rückwirkend....


    Falls es daran nicht hapert, ist deine Bewerbung nach Schweizer Standard? Kein ß - sondern nur ss , Motivationsschreiben genau ausgelegt auf die gewünschte Stelle und Firma, Lebenslauf mit anfänglichem Kurzprofil deiner Kenntnisse??? Als Adresse kannst du doch die deiner Freundin angeben, dann ist das Thema schon mal geknackt.


    Liebe Grüsse
    Kerstin

  • Die Anerkennung der Ausbildung hängt von verschiedenen Komponenten ab. Die für Dich passende Stelle findest Du im Link auf dem Schaubild auf Seite 3. Weitere Ausführungen dann im Text. Das Dokument ist zwar von 2012, dürfte aber immer noch der Praxis entsprechen und bietet vielfältige Informationen.


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