Grenzgänger - Fragen über Fragen...Hilfe

  • Guten Morgen :) :):) ,


    ich bin gerade auf dieses tolle Forum gestoßen und hoffe sehr, dass Sie mir helfen können. Mein Mann und ich leben momentan in Norddeutschland und mein Mann möchte erst einmal für ein halbes Jahr (befristeter Arbeitsvertrag mit evtl. Verlängerung) als Grenzgänger arbeiten. Heißt in Süddeutschland leben und in der Schweiz (Basel) arbeiten…falls der Vertrag verlängert werden sollte, würde ich ebenfalls nach Süddeutschland ziehen.
    Wir haben schon vieles im Internet gelesen, haben aber trotzdem noch einige Fragen ?( .


    Muss er seinen Wohnsitz in Norddeutschland abmelden und in Süddeutschland anmelden, oder könnte er die Wohnung in Süddeutschland als 2. Wohnsitz angeben und den im Norden als 1. behalten?

    Bezüglich der Krankenversicherung hatte ich hier schon gelesen, dass die Helsana wohl ganz gut sein soll…da würde ich noch einmal direkt nachfragen. Aber wie sieht das mit der Rentenversicherung aus? Ich habe gelesen, dass Grenzgängern eine Rentenlücke droht. Sollte man eine zusätzliche Rentenversicherung abschließen? Und wenn ja wo? In Deutschland oder in der Schweiz? Achja und wo schließt man eine Zahnzusatzversicherung ab? Und was passiert mit den Zusatzversicherungen, falls man wieder in Deutschland arbeiten sollte?


    Sollten wir vorher noch unsere Steuerklassen ändern? Denn momentan haben wir beide Steuerklasse 4. Doch er wird in der Schweiz mehr verdienen, als bisher hier in Deutschland.


    Wie sieht das ganze aus, wenn der Vertrag nicht verlängert werden sollte und er wieder nach Norddeutschland kommt? Hat er dann hier das Recht auf Arbeitslosengeld? (Lange wäre er nicht arbeitslos, da er wohl in seine jetzige Firma zurückkehren könnte) Oder muss man länger als 6 Monate „abwesend“ gewesen sein, damit man überhaupt etwas bekommt?


    Achso und das mit dem Bankkonto habe ich noch nicht ganz verstanden. Ich habe hier gelesen, dass die Sparkasse wohl spezielle Angebote für Grenzgänger hat. Inwiefern ist das zu verstehen? Sind die besonders gut, weil der Umrechnungskurz geringer ist, als bei anderen Banken? Wir haben momentan eine sehr gute Bank und ich würde auch gerne bei dieser bleiben…allerdings hat diese keine Filiale im Süden. Können wir trotzdem bei der Bank bleiben???


    Dann haben wir einmal versucht alle Abzüge zu überblicken. Nach unserem Wissensstand müssten das folgende sein?:
    4,5% Quellsteuer
    ALV, NBUV, KTG, Pensionskasse
    Lohnsteuer in Deutschland (max. 45% - 4,5% Quellsteuer)
    Krankenversicherung (z. B. Helsana mit evtl. Zusatzversicherungen (Zahn))
    Evtl. zusätzliche Rentenversicherung


    Ui da fällt mir noch was ein. Wie ist das mit den bestehenden Versicherungen z. B. für´s Auto oder die Haftpflichtversicherung usw…können die bestehen bleiben?


    Ich glaube das war es erst einmal. Entschuldigung für den langen Text =O


    LG Melanie

  • Hallo Melanie


    Willkommen im Forum.


    Ich habe leider gerade nicht viel Zeit. Daher beantwortet ich ersteinmal nur ein paar Fragen.


    Denn Wohnsitz in Norddeutschland kann er ersteinmal behalten und muss sich zusätzlich beim zweiten Wohnsitz in Süddeutschland anmelden.


    Bei der Krankenversicherung darauf achten, dass ihr als Grenzgänger versichert seid. Von der Helsana hab ich noch nichts schlechtes gehört. Eine Zahnzusatzversicherung in der Schweiz abzuschließen ist als Erwachsener fast nicht möglich, dazu muss man zu 100% gesunde Zähne haben. Dies muss bei einer Kontrolluntersuchung vom Arzt belegt werden. Wenn ja würde ich die Kündigung für den Fall das ihr nicht mehr in der Schweiz arbeitet separat schriftlich vereinbaren. Sollte aber kein Problem sein. Zahnzusatzversicherung bekommt ihr von der Krankenkasse.


    Bis später
    Schöne Grüsse Maik ☺

  • Hallo Maik,


    vielen Dank schon einmal.
    Mein Text ist ja auch nicht gerade kurz :D .


    Das mit dem Wohnsitz ist schon einmal sehr gut. Und ich werde die Tage mal bei der Helsana anrufen ;)

  • Hoi Melanie,


    meine Frau und ich sind seit Anfang des Jahres in der Schweiz und hatten im Vorfeld auch voll die Panik... Aber auch wenn einiges anders ist, ist es alles lösbar...
    Zur Krankenversicherung kann ich nur sagen das die Grundversicherung überall gleich ist von den Leistungen her. Beitragsunterschiede gibt es die aber nicht so hoch sind. Helsana ist wohl eine der größten. Wir sind jetzt bei der Concordia. Soll auch sehr gut sein.Vergleichen kannst du alles unter Comparis !
    Zum Thema Zusatzversicherungen. Da sind wir gleich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. Wie Maik schon sagt, am besten man ist 20 und hat keine Vorgeschichte.
    Wir sind abgelehnt worden für die Zusatzversicherungen jeglicher Art. Aber es geht auch so.... ;-)
    Zahnversicherung empfiehlt eigentlich kaum einer der länger hier lebt. Sie ist sehr teuer für sehr wenig Leistung... Wir haben uns damit abgefunden, legen jeden Monat 100CHF zurück und wenn man mal zum Zahnarzt muss geht man halt privat, das am besten in Österreich oder Deutschland.. aus Kostengründen. Du hast 3 Monate Zeit wenn du einen Job in der Schweiz beginnst eine Krankenvers. abzuschließen. Diese wird vom Konto direkt abgezogen. Der Verteter kommt auch nach Hause zum beraten etc. oder es gibt gerade bei den größeren Versicherungen oft Filialen. Gerade in Basel dürfte das kein Problem sein. Deutsche Krankenversicherung kann man nehmen und sich in der Schweiz befreien lassen von der Pflicht. Dies ist aber viel zu teuer (min 2/3 zur Schweizer Vers. auch wenn mehr Leistung). Da dein Mann Grenzgänger ist gibt es aber eine Lösung. Schweizer Krankenversicherung. Von dieser das Formular (glaube E106 heisst es) austellen lassen. Bei der Krankenvers. in Deutschland einreichen. Somit hat dein Mann2 Krankenvers. Karten. Geht er in Deutschland zum Arzt rechnet die Krankenvers. mit der Schweizer Vers. ab. Eine gute Lösung. Kann man sich auch hier im Internet belesen. Oder einfach bei der deutschen Krankenvers. mal anrufen.


    Zur Rentenversicherung: Von Rentenlücke habe ich noch nichts gehört. Der Rentenstand in Deutschland ist sozusagen eingefroren. Man bekommt jährlich einen Kontoauszug wo die Rentenhöhe sich nach oben natürlich nicht ändert. In der Schweiz gibt es das 3 Säulenprinzip. Alters/Hinterbliebenen Beitrag -AHV (um 5,15%), Pensionskasse (Hälfte Arbeitgeber/Hälfte Arbeitnehmer ist Standard) wird direkt vom Lohn abgezogen. Säule 3 ist die private Vorsorge. Kann bei Banken oder beim Arbeitgeber gemacht werden. Ist freiwillig. Wir fangen n. Jahr damit an.


    Kontoeröffnung -- > kundig machen wegen Gebühren. Grenzgänger zahlen oft mehr. Postgiro oder Raiffeisen können wir empfehlen. Kantonalbanken gibt es auch einige. Es kommt auf den Arbeitgeber an. Manche zahlen auf deutsches Konto. Unsere nicht. wir mussten ein Lohnkonto in der Schweiz einrichten. Konten kann man doch haben soviel man will. Zumal dein Mann die Wohnsitze in Deutschland hat. Unsere Konten in Deutschland haben wir auch noch.


    Zusatzversicherungen kann man bei Wegfall der Arbeit in der Schweiz mit Sonderkündigungsrecht kündigen. Aber wie gesagt ob die notwendig sind wenn man mit Formular E106 besser wegkommt...


    Versicherungen in Deutschland bleiben bestehen solange man den Wohnsitz in Deutschland hat und Grenzgänger ist. Zur Sicherheit Versicherungen nochmal anrufen. Selbst der ADAC greift in der Schweiz.


    Steuer: Da Grenzgänger mit täglicher Heimkehr 4,5 % Quellsteuer. In Deutschland führt man dann Die Einkommensteuer (Lohnsteuer) ab. Die 4,5% der Quellsteuer werden aber verrechnet. (Doppelbesteuerungsabkommen) Finanzamt Deutschland kann man ausgefüllte Formulare zukommen lassen und eine Steuervorrauszahlung vierteljährlich machen. Dann kommt es am Jahresende nicht so dicke..... Kann man auch bei Comparis.ch nachlesen.


    Abzüge vom Lohn Richtwerte:


    AHV Beitrag 5,15%
    ALV Beitrag 1,10%
    Nichtberufsunfall 1,54%
    Krankentagegeld 0,22%
    Pensionskasse: je nach Verdienst 350 - 450 CHF
    Quellsteuer: 4,5%


    privat vom Konto geht dann noch die Krankenversicherung je nach Alter, Vers. und was man für Zusatzvers. nimmt und natürlich was für einen Francise (Selbstbehalt) zwischen ca. 180 und 320 CHF .


    Noch ein Tip/Info: ist dein Mann regelmässig min 8 Std. pro Woche Arbeitnehmer (wovon ich jetzt mal ausgehe) hat er über den Arbeitgeber eine Unfallversicherung !


    Du findest viel info`s unter Comparis, www.halloschweiz.ch, http://www.grenzgaenger-schweiz.eu


    Hoffe ich konnte Dir erstmal weiterhelfen


    Viele Grüße
    Mario

  • So zweiter Versuch..ich hatte eben soo einen tollen Text geschrieben und der wurde nicht übernommen beim Speichern.


    Erst einmal vielen Dank für deine ausführliche Antwort Mario...das hilft mir wirklich weiter!


    Ich habe aber noch einmal eine Frage zu dem Bankkonto. Wenn man nun in der Schweiz ein Konto eröffnet, weil der Arbeitgeber das so haben will, dann wir das Gehalt von diesem Konto auf ein deutsches Konto überwiesen? Und für diesen Vorgang gibt es Banken, die speziell für Grenzgänger Angebote haben, so dass der Transfer günstiger ist, als bei anderen Banken?


    Interessieren würde mich auf jeden Fall auch noch Steuerklassenregelung. In der Schweiz gibt es ja keine Steuerklassen, wenn ich das richtig gelesen habe, aber das Einkommen wird ja auch noch in Deutschland versteuert. Was wäre hier empfehlenwert? Beide 4 behalten oder doch lieber 3 und 5. Inwiefern würde sich das auswirken? Mein Mann würde weniger Steuern zahlen und ich umso mehr? Oder ist es genau andersherum? Steige da irgendwie nicht durch, denn im Endeffekt könnte man ja dann auch 4 behalten, weil sich 3 und 5 ggs. aufhebt? Hab da irgendwie einen Denkfehler.


    Einen Bericht über die Rentenlücke gibt es von der Badischen Zeitung. Einfach mal bei google folgendes eingeben: Grenzgänger Rentenlücke...dann kommt das gleich unter den ersten Ergebnissen


    LG

  • Hallo Melanie,


    wenn du ein Konto in der Schweiz haben musst zwecks Lohnüberweisung kannst du natürlich nach Deutschland überweisen per Dauerauftrag. Man macht dies per SEPA Lastschrift. Das ist die günstigste Variante soweit ich weiß. Wir praktizieren das auch so. Bei den Banken gibt es Unterschiede von den Gebühren her. Deshalb online einfach mal nach den oben genannten googeln und vergleichen.
    Zwecks Steuererklärung am besten einen Steuerberater zu Rate ziehen.Wir haben beide 4/4. Führen unsere Steuer aktuell aber als Quellsteuer komplett in der Schweiz ab. Deshalb kann ich da nicht weiterhelfen,ein Steuerberater schon.


    Zwecks Rentenlücke werde ich mal googeln. Danke für die Info!


    Gruss
    Mario

  • Mario hat ja bereits alles wunderbar und aus erster Hand erklärt. :thumbsup:


    Zum Konto kann ich noch sagen, dass es für Grenzgänger noch besondere Angebote gibt. Bei diesen ist der Umrechnungskurs besser als mit der herkömmlichen SEPA-Überweisung (CHF-EUR). Bei kleineren Beträgen spielt es keine Rolle, aber beim Gehalt kann es schon einiges ausmachen.


    Hier ein paar Beispiele:
    Sparkasse Lörrach
    Sparkasse Hochrhein
    Volksbank Hochrhein


    Oder du eröffnest zusätzlich zum Frankenkonto ein Eurokonto in der Schweiz. Ich bin in diesem Fall mit der Postfinance ganz zufrieden. Dann bleibt dir der Kursverlust bei der SEPA-Überweisung ebenfalls erspart. Du solltest aber vorher unbedingt die Kosten für Überweisung und Kontoführung prüfen. Konten für Kunden mit Wohnsitz ausserhalb der Schweiz sind dabei leider teurer.


    Zur Rentenlücke ist mir auch nichts bekannt.


    Schöne Grüsse
    Maik

  • Hallo,
    das grösste Problem dürfte sein, dass Schweizer Grenzgang (heisst das so?) nicht mögen bzw. Grenzgänger bisweilen offen angefeindet werden. Wär' für mich kein Leben. Freunde finden und ein Leben in der Schweiz ist ja eh schon viel schwerer, wenn man abends immer wieder zurück ins Elend muss. ;) Dann braucht's nicht noch zusätzlichen dicken Stress.


    LG

  • Hoi BRTS


    das Thema mit ungeliebten Grenzgängern ist meines Wissens primär im Tessin verbreitet. In der Deutschschweiz und der Romandie wäre mir sowas nicht bekannt.

  • In Genf ist's mit Sicherheit genauso schlimm wie im Tessin (da hat's auch Parteien, die offen gegen Grenzgänger sind), aus der Deutschschweiz hört und v.a. liest man es auch (gerade Deutsche gehören ja schon eh zu denjenigen Ausländern, die man am wenigsten mag, zumindest theoretisch).
    Aber warten wir 'mal ab, vllt hat der eine oder andere ja eine kleine Erfahrung diesbez. beizusteuern hier.


    Grenzgang tät' ich mir - wie oben geschrieben - allein dadurch schon nicht antun, dass ein zweigeteiltes soziales Leben sicherlich nicht einfacher ist als eines, das idealerweise Freizeit nicht so weit von dort erlebt, wo man arbeitet/zur Schule geht/einkauft, kurz tagsüber ist. Ist sicherlich im Fall Konstanz-Kreuzlingen nicht so akut, aber im Fall Zürich-Singen z.B. schon eher. Gilt teilweise freilich auch für Pendler in der Schweiz. Wobei in dem Fall dann aber wenigstens der Feindfaktor wegfällt.


    LG

  • Ja da geb ich dir Recht, in Genf ist es als Grenzgänger sicher nicht einfacher als im Tessin.


    In der Deutschschweiz kenne ich es eher andersherum. Einige Konstanzer mögen langsam am Samstag keine Schweizer Nummernschilder mehr sehen. Der Einkaufstourismus hat dort schon solch starken Züge angenommen, dass die Einheimischen Samstags kaum noch einkaufen gehen wollen, weil kaum noch Parkplätze zu finden sind und die Läden überfüllt sind. Egal wie man es macht, irgendwer beschwert sich immer. :D

  • Ja, nur ist's aber ein kleiner Unterschied, ob in einer mittleren deutschen Stadt einmal in der Woche Schweizer (oder in der Schweiz arbeitende Deutsche, vielmehr) 'nem Deutschen ein paar Stunden den Parkplatz klaut (und zusätzlich Kohle in die leeren deutschen Kassen bringt),
    oder ein Grenzgänger den Schweizern die Arbeit wegnimmt bzw. für Lohndumping und massives Sinken des Lebensstandards sorgt und Ressourcen abzieht, die nicht für sie gedacht sind.


    LG

  • Ja, nur ist's aber ein kleiner Unterschied, ob in einer mittleren deutschen Stadt einmal in der Woche Schweizer (oder in der Schweiz arbeitende Deutsche, vielmehr) 'nem Deutschen ein paar Stunden den Parkplatz klaut (und zusätzlich Kohle in die leeren deutschen Kassen bringt),
    oder ein Grenzgänger den Schweizern die Arbeit wegnimmt bzw. für Lohndumping und massives Sinken des Lebensstandards sorgt und Ressourcen abzieht, die nicht für sie gedacht sind.


    LG


    Genau das ist aber kein Problem das nur die Schweiz betrifft, sondern das ist Global

  • Richtig;
    nur hat's eben bestimmte Hotspots, die von Ausländern nur so überrannt werden, aus makroökonomischen und finanzpolitischen Gründen (z.B. Frankenstärke und geringere Arbeitslosigkeitsrate) bzw. wirtschaftliche Schwäche in rückständigen Gebieten (wie in vielen Teilen Deutschlands).
    Darüber freuen sich nicht alle, gerade dann, wenn's um massenhafte Zuwanderung (und dann auch noch plus Grenzganz) geht. Weil eben auch nicht alle gleichanteilig von Zuwanderung profitieren und der lahme Bundesrat jahrzehntelang ausserstande war, für die Zuwanderungszahlen ordentlich zu planen und vllt dann doch 'mal ordentlich zu investieren bzw. für Verhinderung oder Abschwächung von Verwerfungen zu sorgen.
    Da haben's Zuwanderer bisweilen schon nicht ganz einfach, mit dem unterschwellig immer im Raum stehenden Thema umzugehen bzw. mit den (zumindest teilweise gerechtfertigten) Anschuldigungen zu leben, von Grenzgängern gar nicht zu reden.


    LG