Wohnsitzverlegung

  • Servus miteinander,


    Habe etwas unorthodoxe Variante, über die ich noch keine genauere Information gefunden habe:

    wie machbar ist es einen Wohnsitz nach Schweiz komplett zu verlegen und weiterhin für die in Deutschland ansässige Firma tätig sein? (mit deutschem pass)

    Arbeit ist hauptsächlich Remote/HO, nur paar Mal pro Jahr in die Zentrale oder Fachmessen rausfahren (was seit Jahren praktiziert wird : vor 2019 war das noch seltene Variante).


    Gibt es vielleicht eine Erfahrung schon oder kennt jemand die Gründe, welche es nicht zulassen?


    Bedanke mich für die Antworten im Voraus

  • Hallo Max,


    schau Dich mal hier im Forum um. Da gibt es viele Informationen die Dir bei der Planung Deines Vorhabens sehr hilfreich sein werden. Du must genügend finanzielle Mittel nachweisen können um eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten.

    Schau mal hier:


    Bei Google nach: „Aufenthalt in der Schweiz ohne Erwerbstätigkeit“ suchen (eine Erwerbstätigkeit im Ausland zählt bei den Behörden vermutlich nicht).

    https://www.sem.admin.ch/dam/s…nichterwerbstaetige-d.pdf


    Zudem musst das Budget welches Du in der Schweiz für Deinen Lebensstandard benötigst errechnen (Wohnkosten, Krankenversicherung, Lebenshaltungskosten etc.).


    Viel Erfolg!

    Thomas

  • Hallo Thomas,


    Vielen Dank für die Information.


    Falls ich richtig verstanden habe, bleibt man mindestens nächste 5 Jahre in Deutschland steuerpflichtig. Krankenversicherung wird in BRD abgezogen und man bekommt eine extra Karte für die Schweiz, die dann ab-/gegengerechnet wird: man kann eine KV-Befreiung in der Schweiz beantragen, damit man es nicht doppelt zahlt.


    Ich habe mit paar Migrationsämter telefoniert und habe keine eindeutige Aussage bekommen: anscheinend reicht die Wohnung (Mietvertrag) und Geld (Gehalt) nicht wirklich dafür - man soll auch einen Grund für den Aufenthalt haben (so die Auskunft). Da man für eine Firma außerhalb der Schweiz arbeitet, hat man keinen Grund sich in der Schweiz aufhalten (bis 3 Monate - bitte schön).


    Ich habe die Angaben ( https://www.ch.ch/de/aufenthal…terwerbstatige-auslander/ ) etwas anders verstanden, als bei Migrationsamt erklärt wird.


    Laut Definition von Ausweiß B: ( https://www.sem.admin.ch/sem/d…ta/ausweis_b_eu_efta.html )

    Aufenthalter sind Ausländerinnen und Ausländer, die sich für einen bestimmten Zweck längerfristig mit oder ohne Erwerbstätigkeit in der Schweiz aufhalten.

    Die Aufenthaltsbewilligung der Angehörigen von EU/EFTA-Mitgliedstaaten hat eine Gültigkeitsdauer von fünf Jahren; sie wird erteilt, wenn der EU/EFTA-Bürger den Nachweis einer unbefristeten oder auf mindestens 365 Tage befristeten Anstellung erbringt.


    Was genau "ein bestimmten Zweck längerfristig mit oder ohne Erwerbstätigkeit" ist, findet man leider kaum.


    Vielleicht hatte jemand schon damit was zu tun gehabt ...


    Danke!

  • man soll auch einen Grund für den Aufenthalt haben (so die Auskunft)

    This! Was genau ist dein Grund, um in die Schweiz zu ziehen? Genau darauf wird auch mit "bestimmter Zweck" abgezielt.


    Ich habe die Angaben ( https://www.ch.ch/de/aufenthal…terwerbstatige-auslander/ ) etwas anders verstanden, als bei Migrationsamt erklärt wird.

    Ich habe mir den Text im Link durchgelesen, und ich weiss nicht genau was du dort anders verstehst. Du zählst als Nichterwerbstätiger und musst somit genügend finanzielle Mittel nachweisen. Wenn das nicht der Fall ist, dann ist die Ablehnung der Bewilligung B nur folgerichtig. In dem Link steht auch der Grund: "um nicht sozialhilfeabhängig zu werden"


    Die Bewilling B ohne Erwerbstätigkeit gibt es normalerweise für:

    • Personen mit genügend hohen finanziellen Mitteln, die in die Schweiz ziehen wollen
    • für Lebenspartner, wenn der Partner bereits in der Schweiz arbeitet und für den zuziehenden Partner finanziell bürgen kann (Kosten für Krankenversicherung, Miete, Lebenshaltung etc)

    Also nochmal zurück zum Anfang: was ist dein Grund in die Schweiz zu ziehen? Und nein, schöne Natur zählt nicht als Grund :winking_face:

  • Hi basileus,


    Danke für die Hinweise.


    Es ist klar und logisch, dass man genügend Geld/Einkommen Nachweisen soll (dass man von eigenen Mitteln leben kann - ohne Sozialhilfe)

    Bei der "Personen mit genügend hohen finanziellen Mitteln, die in die Schweiz ziehen wollen" fehlt mir der Grund in die Schweiz zu ziehen

    Hohen finanziellen Mitteln als Grund?

    Bzw. wie hoch sollen die dann sein um als Grund herhalten können?

  • Bzw. wie hoch sollen die dann sein um als Grund herhalten können?

    Als Daumenregel kannst du CHF 3'000.- pro Monat nehmen, also 36k CHF pro Jahr (besser 40k). Vermutlich würdest du damit aber trotzdem erstmal nur eine Kurzbewilligung L bekommen für ein Jahr.


    Ich denke wenn du diese Mittel nachweisen kannst, dann benötigst du keinen weiteren Grund.

  • Hallo Max , hallo basileus ,


    ich bin gerade auf den Beitrag hier gestoßen. Meine Situation ist genau wie die von Max, nur dass mein Grund für die Auswanderung der Umzug zu meinem Verlobten in die Schweiz wäre. Macht es bei dem vorzuweisenden Einkommen & Erspartem einen Unterschied, wenn die Wohnungsmiete, Strom, Heizung u. Wasser komplett von meinem Partner bezahlt werden würden und ich "nur" für KV etc. und die Hälfte der Lebensmittelkosten aufkommen müsste oder haben die Behörden da feste Vorgaben? Würden 2800 Euro Brutto monatl. reichen für eine Aufenthaltsbewilligung? Wie schätzt ihr das ein?

  • Hoi Rose


    vermutlich reichen die 2'800€ brutto nicht. Die von mir genannten CHF 3'000.- sind netto.

    Ich vermute, dass dein Verlobter für dich eine Bürgschaft abgeben muss beim zuständigen Migrationsamt. Am besten ihr ruft dort an und klärt das direkt ab. Das kann sich auch von Kanton zu Kanton unterscheiden.


    Deiner Rechnung würde das Amt vermutlich nicht zustimmen, da es immer vom schlechtesten Fall ausgehen muss: ihr trennt euch (nein, ich wünsche euch das nicht!), und dann müsstestt du mit deinem Einkommen alles alleine bestreiten.



    VG basileus

  • Hallo basileus ,

    vielen Dank für Deine schnelle Rückmeldung und die Einschätzung Deinerseits. Dann habe ich schonmal einen guten Anhaltspunkt.


    Dürfte ich noch eine Frage stellen (ich möchte Max eigentlich nicht den Thread stehlen)? Wie sieht es denn aus, angenommen, ich würde erst einmal nur eine Teilzeitstelle in der Schweiz finden (was ich bislang so an Stellenanzeigen gesehen habe, wäre das gar nicht so unwahrscheinlich). Müsste ich dann trotzdem mind. die 3000 Franken netto (einmal angenommen, das wäre der Maßstab in Luzern) verdienen, um eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten oder würde das in dem Fall anders aussehen?

  • Hoi Rose


    Ich gehe davon aus, dass du bei der Teilzeitstelle auch die 3k netto verdienen müsstest, damit du eine Bewilligung B mit Erwerbstätigkeit erhälst.

    Alternativ müsste, wie schon geschrieben, dein Verlobter für dich bürgen. Die Situation wäre ja die gleiche: wenn ihr euch trennt, musst du selber für alle Kosten aufkommen können.


    Ruf am besten beim Migrationsamt des zuständigen Kantons an. Im Gegensatz zu deutschen Behörden sind die Schweizer Ämter meist relativ freundlich und geben sehr gute Auskünfte.


    PS: ich verstehe, dass du Bedenken hast. Die Fragen, die du dir stellen könntest (ohne deine genauen Gedanken zu kennen):

    • Geht es dir darum, unabhängig zu bleiben von deinem Verlobten (bzgl. der Bürgschaft)? Also macht dir Gedanke, von jemandem abhängig zu sein Angst?
    • Oder möchte dein Verlobter nicht für dich bürgen (aus welchen Gründen auch immer)?

    Ich kenne beide Situationen von Bekannten, allerdings ist es ein Unterschied ob man unabhängig bleiben möchte vs. der Partner ist von vornherein nicht bereit eine Bürgschaft zu übernehmen.



    VG basileus

  • Die Migrationsämter geben telefonisch auch nur die Auskunft, daß man das von Fall zu Fall einzeln prüfen müsse.

    Ich hab bei der Schweizerischen Botschaft in München nachgefragt, sowie beim Migrationsamt

    von Bern und Luzern. Genauere Angaben hat da keiner machen wollen., nicht mal eine Hausnummer wollte

    man mir nennen.

    Erst als ich eine Summe nannte, die auch für 10 Jahre Schweiz reichen würde, sagte man mir,

    daß das wohl genügen würde für eine 5-Jahresbewilligung ohne Erwerbstätigkeit.


    Ich würde jetzt eher mal von min. 50kSfr eher Richtung 70kSfr p.a. ausgehen, um als ausreichend

    finanziell abgesichert durchzugehen. Bei einer 5-Jahresbewilligung wären das 250 - 350kSfr Guthaben

    oder ein dementsprechendes monatliches Einkommen.


    Das ist allerdings kein Erfahrungswert, sondern nur meine persönliche Einschätzung.


    Gruß

    Martin

  • Ich würde jetzt eher mal von min. 50kSfr eher Richtung 70kSfr p.a. ausgehen

    Die von mir genannten CHF 3'000.- sind die Regel, also CHF 36k pro Jahr. Die Schweizer Behörden rechnen im Normalfall mit CHF 100.- Kosten pro Tag.

    Für eine einzelne Person benötigt man definitiv keine CHF 70k pro Jahr (mehr ist natürlich immer besser).


    PS: ich hatte selber diesen Fall, d.h. es ist ein Erfahrungswert. Wobei die Behörde keine konkreten Zahlen nennt, sondern sich die Gesamtsituation anschaut.

  • Vermutlich wird für die Kinder noch etwas draufgerechnet. Ich würde mal pauschal 100k annehmen für ein Ehepaar mit zwei Kindern (als Schätzung).

    Das ist allerdings reine Mutmassung, da ich den Fall selber nicht hatte.


    Kinderbetreuung in der Schweiz ist teuer, wie man in einigen anderen Threads lesen kann.

  • Vielen Dank für das Teilen eurer Erfahrungen, basileus und zwergnase . Ich weiß das sehr zu schätzen. Dann weiß ich, worauf ich u.a. mein Augenmerk bei der Arbeitssuche hier richten muss.


    Puh, das wird nicht einfach hier in der Gegend. :upside_down_face: Aber ich werde versuchen, am Ball zu bleiben und darf die Hoffnung nicht aufgeben, etwas Passendes zu finden.


    Bzgl. des Sponsorns: Wir haben uns die Anforderungen angeschaut, damit mein Verlobter mich sponsorn könnte - als einfache Leute sind wir da leider ganz weit entfernt von den Vermögenswerten, die man hierfür vorweisen können muss. :grinning_face_with_sweat:

  • Nur um es noch mal klar zu machen: wer keinen Job in der Schweiz hat, muss genügend finanzielle Mittel zum Bestreiten seines Lebensunterhalts vorweisen. Das sind Mittel die bereits vorhanden sein müssen, ein Job im Ausland zählt da nicht rein.


    Hintergrund: verliert man den Job so fällt man in das soziale Netz der Wohnsitzgemeinde und des Kantons (regelmässig kommen ja Prämienverbilligung bis hin zur Übernahme hinzu), ohne sich vorgängig an diesem sozialen Netz im nennenswerten Umfang beteiligt zu haben.


    Partnerschaften zählen meist auch nicht, Ehe/eingetragene Partnerschaft hingegen schon. "Verlobung" ist dabei kein Kriterium. Denn auch hier steht man dann im Falle einer gescheiterten Beziehung ohne Unterhaltsansprüche da.


    Und für den Fall der nachlaufenden Besteuerung bei einem "normalen Erwerbseinkommen" (die wurde ja eher für Beteiligungen und Gesellschafteranteile erfunden): da muss der Verdienst in Deutschland schon sehr hoch sein, das nach knapp 50% Abgaben noch genug für ein vernünftiges Auskommen in der deutlich teureren Schweiz vorhanden ist, vor allem wenn man keine eigene Wohnimmobilie besitzt. Obendrein muss man beachten, dass die KV dann nur noch für den Angestellten gilt, Familienversicherung scheidet bei Wohnsitz im Ausland i.d.R. aus.


    Klingt für mich nach dem Fall "nicht der richtige Zeitpunkt/die falsche Situation" um ins Ausland zu migrieren.